Es brodelt in der Betriebsküche:
Was tun, wenn man im Job ständig das Nachsehen hat?

Kennen Sie das? Auf Ihrem Schreibtisch wächst ein Aktenberg, während Kolleg*in XY pünktlich nach Hause geht? Oder: Man reicht seinen lang ersehnten Urlaub ein und plötzlich heißt es wieder einmal: 

Leider nein! Kolleg*in XY hat Vorrang, wegen der Kinder. 

 

Konflikte am Arbeitsplatz gehören zum Berufsalltag und können in unterschiedlichsten Formen auftreten. Schnell entsteht der persönliche Eindruck, dass ein Kollege regelmäßig bevorzugt wird. Solche Situationen können nicht nur Frust auslösen, sondern auch das Arbeitsklima belasten. Als Lebensberaterin und Supervisorin möchte ich Ihnen einige Tipps geben, wie Sie mit dieser Herausforderung konstruktiv umgehen können. 

 

Eigene Gefühle reflektieren 

 

Bevor Sie das Gespräch suchen, nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um Ihre eigenen Gefühle zu sortieren. Warum stört es Sie so sehr, dass die Kollegin oder der Kollege bevorzugt wird? Fühlen Sie sich ungerecht behandelt, nicht gesehen oder übergangen? Je klarer Sie Ihre Emotionen verstehen, desto besser können Sie diese später sachlich formulieren. 

 

Hilfreiche Frage: 

 

"Ist es ein einzelner Vorfall oder ein wiederkehrendes Muster, das mich stört?" 

 

Sachlich und respektvoll kommunizieren 

Sprechen Sie das Thema in einem ruhigen Moment an – idealerweise zunächst mit Ihrer Kollegin. Vermeiden Sie Vorwürfe und setzen Sie auf klare Ich-Botschaften: 

 

Statt: „Du bekommst immer, was du willst! Ständig habe ich einen Nachteil daraus.“ 

 

Besser: „Mir ist aufgefallen, dass es bei der Urlaubsplanung oft so aussieht, als ob deine Wünsche Vorrang haben. Das fühlt sich für mich manchmal ungerecht an.“ 

 

Falls das Gespräch mit der Kolleg*in keine Klärung bringt, können Sie sich auch an Ihre Führungskraft wenden. Hier ist es wichtig, die Situation mit Fakten zu schildern, ohne emotional zu werden. Bleiben Sie auf der Sachebene. 

 

Beispiel: 

 

„Mir ist aufgefallen, dass meine Wünsche bei der Urlaubsplanung in den letzten drei Quartalen nicht berücksichtigt wurden. Ich würde gern verstehen, wie die Entscheidungen getroffen werden und ob wir eine transparentere Lösung finden können.“ 

 

Konstruktive Lösungen vorschlagen 

 

Um eine Eskalation zu vermeiden, bringen Sie selbst Vorschläge ein. Beispielsweise könnte ein rotierendes System bei der Urlaubsplanung eingeführt werden, bei dem jede Person reihum Vorrang hat. Dies schafft Transparenz und reduziert Spannungen im Team. 

 

Grenzen setzen und sich abgrenzen 

Wenn trotz aller Bemühungen keine Veränderung eintritt, ist es wichtig, sich emotional abzugrenzen. Erinnern Sie sich daran, dass es nicht immer möglich ist, jede Ungerechtigkeit zu ändern. Überlegen Sie, wie Sie sich selbst in solchen Situationen stärken können – sei es durch den Aufbau positiver Beziehungen im Team, durch einen Perspektivenwechsel oder durch die Suche nach neuen Möglichkeiten, wie Sie außerhalb der Arbeit Entlastung finden. 

 

Abschließender Gedanke 

 

Konflikte am Arbeitsplatz sind herausfordernd, aber sie bieten auch die Chance, eigene Grenzen zu erkennen und gestärkt daraus hervorzugehen. Suchen Sie das Gespräch, bleiben Sie sachlich und offen für Lösungen. Und vor allem: Vermeiden Sie es, in einen Wettbewerb mit der Kolleg*in zu treten. Ein respektvoller Umgang kann langfristig das Arbeitsklima und Ihre Zufriedenheit verbessern. 

 

Wenn Sie sich bei der Konfliktbewältigung Unterstützung wünschen, stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Gemeinsam können wir Strategien entwickeln, wie Sie schwierige Situationen souverän meistern und Ihren Arbeitsalltag harmonischer gestalten können.